11.01.2003, KVP Schweiz

Krieg gegen die Bauern und Käser

Das Bauernsterben tritt zurzeit in seine akuteste Phase. Es wird vielen Bauern und Käsereien zunehmend klar, dass das letzte Stündlein für sie geschlagen hat. Die Classe politique und die Bauernvertreter setzen das Abschlachten mit steinerner Miene fort. Zur Diskussion stehen nur noch die Kosten für ein schickliches Begräbnis.


Am Schluss wird jener Drittel der ursprünglichen Betriebe übrig bleiben, welcher die von der EU geforderte Grösse aufweist und zu den niedrigen Preisen liefert. Niemand scheint mehr auf den Gedanken zu kommen, dass Lebensmittel zu den wertvollsten Gütern gehören und daher auch einen hohen Preis haben dürfen. Politisch wird mit dem Bauernsterben ein Stand ausgeschaltet, der bis in die 90er-Jahre für eine gewisse Stabilität und Vernunft im Land gesorgt hat. Leider ist die Mehrheit die Bauern seither aber ebenfalls den Bauernfängern nachgelaufen und hat die WTO und sämtliche Landwirtschaftsvorlagen der vergangenen Jahre angenommen. Nebst der KVP haben nur ganz wenige Organisationen die verheerenden Folgen vorausgesehen, etwa die Neue Bauernkoordination. Politisch konnten sich diese Minderheiten indes nicht durchsetzen. Vergeblich mahnte die KVP Mitte der 90er-Jahre vor dem Agro-Genozid. Unterdessen sind ihre düsteren Prognosen wahr geworden. Der Agro-Genozid ist voll im Gang. Die Classe politique braucht den Bauernstand im herkömmlichen Sinn nicht mehr. Die Landesversorgung ist abgeschafft, zusammen mit der politischen Souveränität. Daher gibt auch die SVP - eine Liberalisierungspartei - gegen den Agro-Genozid keine Rezepte ab. Gleichwohl bestehen solche; eines wäre gar gratis zu haben: der angemessene Grenzschutz vor dem Import billiger Produkte. Das ist indes die einzige heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf. Sie müsste indes geschlachtet werden. Sie ist verantwortlich für die verbrecherische Entwicklung, die halbe Berufsstände auf dem Altar der extremen Liberalisierung opfert, die Bevölkerung verarmen lässt, die Löhne drückt und die Familien zerstört.

 

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