19.10.2001, KVP Schweiz

KVP: Kapitalismus auf dem Prüfstand

Die KVP Thurgau führte am 27. Oktober 2001 die 6. Jahresversammlung seit ihrem Bestehen durch. Nach der Erledigung der statutarischen Geschäfte stand ein Referat von Hans-Jörg Willi, Arbon, zur Zinsfrage im Mittelpunkt der Verhandlungen. Zwei Artikel zu diesem Thema publizierte der Referent bereits früher in der Parteizeitung.


Der Referent orientierte im Kurhaus Marienburg, St. Pelagiberg, über eine "natürliche" Wirtschaftsordnung nach dem Modell des Sozialreformers Silvio Gesell. Das Modell zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass kein Zins erhoben werden kann und dass die neue Währung umlaufgesichert ist. Damit sollen der Einzelne, aber auch der Staat Schuldenwirtschaft und Arbeitslosigkeit besser in den Griff bekommen und eine Alternative zum fundamentalistischen Neoliberalismus erhalten. "Der totale Markt führt zu einer totalitären Gesellschaftsform", erkannte vor vierzig Jahren schon Hannah Arendt. Gerade die katholische Soziallehre mit ihrer Globalisierungskritik steht solchen Fragen naturgemäss nahe. Da eine landesweite Realisierung der zinsfreien Währung indes in weiter Ferne liegen dürfte, orientierte Hans-Jörg Willi über das Projekt der Einführung einer zinsfreien Zweitwährung im Raum Arbon. Mit Hilfe einer Bank hoffen die Promotoren, in absehbarer Zeit diese Währung Wirklichkeit werden zu lassen. Die KVP wünschte diesem Projekt Erfolg, könnte doch damit im Kleinen bewiesen werden, dass das System verallgemeinerungsfähig ist und funktioniert.

 

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