27.01.2004, KVP Schweiz

Katholische Soziallehre und Familienpolitik

Scheidungsgesetze sind politisch zu bekämpfen. Die Ehepaare dürfen nicht gleichgestellt werden mit unverheirateten oder gar homosexuellen Paaren. Dies ist die Haltung des Vatikans und seit ihrem Bestehen Politik der KVP Schweiz. Aber auch die Vorbehalte gegen die Einrichtung flächendeckender, allgemein zugänglicher Kinderkrippen, den landläufigen Sexualkundeunterricht an den Schulen und die Gleichstellung der natürlichen Familie mit Alleinerziehenden entspringen echt katholischer Politik, die immer eine Politik der Mitte ist. Die kritisierten Modelle werden am Malaise der modernen Familie nämlich nichts ändern, es vielmehr verstärken. Die KVP verlangt daher einen grundlegenden Richtungswechsel mit neuen und differenzierten Lösungen, wobei die natürliche Ehe und Familie und nicht Karikaturen der Familie Massstab aller Dinge sein müssen.


Die KVP hat zusammen mit andern Organisationen im Jahre 1998 das Referendum gegen das neue schweizerische Scheidungsrecht ergriffen. Leider kamen anstatt der geforderten 50'000 Unterschriften nur deren rund 30'000 zusammen. Sowohl linke wie rechte Regierungsparteien standen abseits.

Gegen Scheidungsmentalität
Dass die Aktion der KVP 1998 indes voll der katholischen Soziallehre entsprochen hat, wurde durch eine Stellungnahme von Papst Johannes Paul II. vor der Rota Romana vom 28. Januar 2002 bestätigt. Die Ehe ist ewig und unauflöslich, Fundament der Gesellschaft und Familie. Sie darf nicht gleichgestellt werden mit nichtverheirateten oder sogar homosexuellen Paaren. Der Pontifex maximus sprach sich gegen die weitverbreitete Vorstellung aus, die unauflösliche Ehe sei eine Angelegenheit der Gläubigen, die nicht verlangen könnten, diese der zivilen Gesellschaft in ihrem Gesamt aufzudrängen. Dass selbst Katholiken diese Grundwahrheiten abhanden gekommen sind, ist bedenklich. Der Kampf gegen die Scheidungsmentalität ist daher fortzuführen, und dazu ist niemand mehr berufen als eine katholische Partei, denn auch in Italien liefen linke und rechte Parteien gegen die päpstlichen Äusserungen Sturm. Die stellvertretende Direktorin des Bundesamtes für Justiz, Ruth Reusser, schrieb in der Zeitschrift für Schweizerisches Recht, I. Halbband 1999, S. 96: "Die Diskussionen in unserem Nachbarstaat (gemeint Österreich; Anm. des KVP Info-Dienstes) lassen erahnen, dass ein Abstimmungskampf um das neue schweizerische Scheidungsrecht nicht zum Vornherein gewonnen gewesen wäre." Der Zeitpunkt, an dem das heute geltende Scheidungsrecht mit seiner verschuldensunabhängigen Konventionalscheidung wegen der verheerenden Wirkungen wieder zur politischen Diskussion gestellt werden muss, wird mit Bestimmtheit kommen.

Vorderhand wird noch behauptet, glückliche und unglückliche Kinder seien unabhängig von der Familienform und den meisten Scheidungskindern gehe es prima. Solche Urteil sind aber seit jeher in der Fachliteratur umstritten, und selbst jene, die solches behaupten, anerkennen, dass 20 Prozent Scheidungskinder psychische Probleme haben, währenddem es bei Kindern aus intakten Familien lediglich 10 Prozent sind. Denselben Verharmlosern beginnt es gleichzeitig zu dämmern, dass die Abschaffung des Verschuldensprinzips im Scheidungsrecht nun den Kampf um die Kinder hat verstärken lassen und dass 50 Prozent der Väter einige Jahre nach der Scheidung ganz aus dem Leben ihrer Kinder verschwinden. Ausserdem ist das Scheidungsrisiko von Kindern geschiedener Eltern durchschnittlich 2,1-mal höher als jenes von Kindern aus intakten Familien (vgl. NZZ am Sonntag vom 16.02.2003 und Interview mit Kinderarzt Remo Largo ebenda). Katholische Politik ist immer eine Politik der Mitte und kann nicht mit jener unserer Rechts- und Linksparteien gleichgesetzt werden kann. Das zeigt sich bei weiteren Themen der Familienpolitik.

Für die echte Familie
Die Familie ist eine natürliche und universelle Gemeinschaft mit eigenen unveräusserlichen Grundrechten, die dem Staat vorgegeben ist und eine Unabhängigkeit geniessen muss. In der Familie leben mehrere Generationen zusammen. Die Familie hat Anspruch auf Hilfe der Gesellschaft für die Kindererziehung, vor allem jene mit vielen Kindern. (Heiliger Stuhl. Charta der Rechte der Familie vom 22.10.1983). Die Karikatur der Familie hat demgegenüber keine Zukunft. Dazu gehören alle jene nicht authentischen Formen, die auf egoistischen Individuen basieren, wie Papst Johannes Paul II. am 26. Januar 2002 erklärte (kath.net 26.01.2003), also beispielsweise das Konkubinat. Die katholische Soziallehre enthält klare Grundsätze für die Familienpolitik. So gibt es nur eine echte Form von Familie; alle andern sind Karikaturen der echten Familie. Folglich müssen auch in der Sozialpolitik entsprechende Differenzierungen vorgenommen werden. Scheidungen beispielsweise werden zu 70 % von Frauen verlangt. Sie sind immer eine Kapitulation vor der Verantwortung und oft eine Herausnahme von Freiheiten auf Kosten des Staates. Dass der Staat daher Alleinerziehende und andere Karikaturen der echten Familie gleich unterstützen soll wie intakte Familien, ist aus diesen und anderen Gründen nicht plausibel.

Keine Homoehe
Nicht nur ist die Homo-Ehe "wider die Vernunft" und ein "Rückfall vom seinsmässigen Kosmos in das seinsmässige Chaos", für das "die Menschheit noch bitter zu bezahlen haben" wird. Auch die nicht verheirateten Paare dürfen nicht gleichgestellt werden mit den verheirateten Paaren (Art. 1 lit. c Charta der Rechte der Familie).

Alleinerziehende, Krippen und Ganztagsschulen
Alleinerziehende können "objektiv - ohne eigenes Verschulden - die Bandbreite des Beziehungsangebotes von Vater und Mutter nicht aufbringen", wie Kardinal Meisner festgehalten hat (in: DER FELS, Nr. 1/2002, S. 3 ff.). Eine Gleichsetzung von Alleinerziehenden mit der natürlichen Familie, wie das beispielsweise vom Schweizerischen Hilfswerk Caritas verlangt wird, unter Berufung auf "wissenschaftliche" Untersuchungen, ist abwegig (vgl. Caritas Thurgau, Lichtblicke. Bulletin Januar 2002).

Noch abwegiger erweist sich die Förderung von Kinderkrippen und anderer Formen der Kollektiverziehung, insbesondere in den ersten Lebensjahren und im Vorschulalter. Solche modernen Waisenhäuser sind ein notwendiges Uebel für Sozialfälle (Migrationskinder, sozial schwache Familien vgl. NZZ Nr. 16 vom 21.01.2003, S. 61) und haben dort auch ihre Berechtigung, nicht aber für den Normalfall. Der Kinderarzt und Jugendpsychiater Professor Dr. Johannes Pechstein unterstützt daher weder Ganztagskindergärten für Vier- bis Sechsjährige noch Ganztagsschulen und Kinderhorte für Kinder unter 12 Jahren oder gar Krippen für Kinder unter drei Jahren. Solche Institutionen können nur mit dem Erwachsenenwohl zu Lasten des Kindes, nicht aber mit dem Wohl des Kindes und seinem Bildungsanspruch begründet werden, ausgenommen soziale Sondersituationen (vgl. in: DER FELS 7/2003, S. 219). Das National Institute of Child Health and Development veröffentlichte die Ergebnisse einer Studie, die seit zwölf Jahren an 1000 sehr jungen Kindern durchgeführt wurde. Je öfter das Kind von seiner Mutter getrennt ist, desto mehr leidet es unter Verhaltensstörungen wie Ungehorsam, Zerstörungswut, Schlägereien, Streitereien, Heulen, Angeberei und Einschüchterung. Es scheint gewiss, dass bei mehr als 20 bis 30 Stunden nicht elterlicher Obhut pro Woche die Probleme systematisch auftauchen (Schweizerische Katholische Wochenzeitung Nr. 4 vom 23.01.2004).

Christa Meves hat ebenfalls auf die miserablen Erfahrungen mit solcher Kollektiverziehung in der ehemaligen DDR und in Skandinavien sowie auf entsprechende wissenschaftliche Untersuchungen, insbesondere von Prof. Theodor Hellbrügge, aufmerksam gemacht. Mit solchen Erziehungsmodellen stärkt man die Familie nicht und erhöht die Kinderzahl ebenso wenig. "Die Zahl der kinderlosen Frauen wird sich vielmehr weiter erhöhen, wenn wir so einseitig der ganztägigen Berufstätigkeit auch der jungen Mütter das Wort reden." (in: DER FELS, Nr. 1/2002, S. 7 ff.). Sie plädierte daher für einen Familienlohn, genau so wie die Norwegerin Janne Haaland Matlary, vierfache Mutter, Mitglied des Päpstlichen Rats für Familien und von 1997 bis 2000 Staatssekretärin und stellvertretende Aussenministerin der norwegischen Regierung (in: DER FELS, Nr. 1/2002, S. 24) und der Sozialethiker aus Trier, Professor Wolfgang Ockenfels, der ausserdem für ein Familienwahlrecht eintritt (vgl. DER FELS 7/2003, S. 211).

Mit einem flächendeckenden Netz von Kinderkrippen soll zwar der neue sozialistische Mensch verwirklicht werden. Eine umfassende Qualitätsstudie der Freien Universität Berlin hat aber festgestellt, dass selbst erzieherisch unvorbereitete und ungebildete Eltern besser erziehen als gute Kindergärten; denn es ist zu unterscheiden zwischen Betreuung und Erziehung. Die Ehe ist die beste Voraussetzung für die körperliche, geistige und seelische Entwicklung des Kindes, wie das Bundesverfassungsgericht ausgeführt hat (Nachweise bei P. Andreas Mählmann, FSSP, in: Kirchliche Umschau, Nr. 12/2002, S. 5 f.)

Weitere, massgebende Artikel zur einzigartigen, unersetzbaren Leistungsfähigkeit der natürlichen Ehe und Familie, unter anderen von Jürgen Liminski, in: DER FELS, Nr. 10/2002, S. 290 ff., 298).


Sexualkundeunterricht
Ein grundlegender Richtungswechsel in der Familienpolitik drängt sich daher auf. Dazu gehört die tiefgreifende Reform des Sexualkundeunterrichts und der damit oftmals verbundenen sexuellen Verführung der Jugendlichen in den öffentlichen Schulen. Nicht nur gilt gemäss Vatikan die Keuschheit als einzig wirksames Mittel gegen Aids (kath.net 07.11.2002), und führt gegenseitiges Zusammenleben vor der Ehe später zu erhöhtem Scheidungsrisiko (Erhebung des Nationalen Zentrums für Gesundheitsstatistik in den USA, in: Schweizerische Katholische Wochenzeitung, Nr. 43/2002 vom 25.10.2002), sondern auch die Sexualerziehung in der Zwangsgemeinschaft "Schule" ist nach Ansicht des Pädagogen Gerhard Glück zum Scheitern verurteilt (Pro Life Nr. 5-6/2002, S. 8). Der Amerikanische Präsident Bush beispielsweise will daher zu Recht mit 150 Millionen US-Dollar während fünf Jahren verstärkt Programme fördern, welche die sexuelle Keuschheit vor der Ehe betonen. Darin liege auch der beste Schutz vor AIDS und Teenager-Schwangerschaften. Bush lieferte damit im Bereich des Lebens- und Familienschutzes ein weiteres Beispiel, das Nachahmung verdient - auch in der Schweiz.

Umstrittene Familienpolitik
Die Familienschutzpolitik muss nahtlos an die Lebensschutzpolitik anschliessen.

Mit dem weiteren Ausbau des Sozialstaates hat die Diskussion um die Abtreibung und die Reduktion der Abtreibungszahlen jedoch nur indirekt etwas zu tun. Bei der geltenden verfassungsmässigen Garantie des Existenzminimums hängen Bestrafung und soziale Sicherheit nicht direkt zusammen. Es gibt, von Ausnahmefällen abgesehen, keine finanzielle Not mehr für Schwangere, ansonsten klappte irgendetwas mit der staatlichen Existenzsicherung nicht. Wer Sozialleistungen verlangt mit dem Hinweis auf Beseitigung finanzieller Not von Schwangeren, wie das gang und gäbe ist (beispielsweise bei der SBK), verdunkelt mehr, als er erhellt. An einer verfänglichen Berufung auf die Hilfe in Not litt im Uebrigen auch die Inititative "für Mutter und Kind", nachdem die minimale Hilfe verfassungsmässig längst garantiert ist.

Es ist nicht zu erwarten, dass der weitere Ausbau der Sozialleistungen direkt zu einer Reduktion der Abtreibungszahlen führt. Gleichwohl verlangt die SBK Begleitmassnahmen "zugunsten der betroffenen Frauen und Familien": Mutterschaftsversicherung, Mutterschaftsurlaub, Kinderzulagen, Krippen, Ermässigung der Krankenkassenprämien, Steuererleichterungen usw. Bevor solches gefordert wird, sollte man nachweisen können, dass diese Massnahmen, die zum Teil aus dem kommunistischen und neomarxistischen Lager stammen, die Abtreibungszahlen vermindern. Kinderkrippen beispielsweise tragen nach bisherigen Erfahrungen in keiner Art und Weise zur Verminderung der Abtreibungszahlen bei. Viele der vorgeschlagenen Massnahmen sind in der Form, wie sie heute meist vorliegen oder diskutiert werden, klar familienfeindlich und daher abzulehnen.

Die Reduktion der Abtreibungszahlen ist bei den Befürwortern der erwähnten Massnahmen denn auch weder Ziel noch Thema. Wer ist ausserdem "betroffen"? Die reiche Dame von der Zürcher Goldküste, die abtreiben will? Die mittelständische Frau, die zu bequem ist, ihr drittes und viertes Kind auszutragen? Die marxistisch begründeten familienpolitischen Massnahmen können im Rahmen einer Familienpolitik diskutiert werden, dürften die Abtreibungszahlen indes eher in die Höhe treiben denn senken. Daher kommt es, dass viele Abtreibungsgegner sich gegen solche Familienmassnahmen aussprechen. Man soll aus präventiven Gründen Leute, die aufgrund ihres lasterhaften Lebenswandels (ausserehelicher Sex, Scheidung etc.) in eine Schwangerschaft und angespannte finanzielle Verhältnisse geraten, nicht gleich oder besser stellen als die Rechtschaffenen, sondern etwas weniger gut, ohne sie allerdings des Notwendigen zu berauben.

Echte Familienpolitik
Die finanziellen Hauptmittel in der Familienpolitik sind nicht in zumeist selbstverschuldete finanziell benachteiligte Verhältnisse und hinkende Familien (Einelternfamilien, Zweiverdiener-Familien) zu investieren, sondern in die vollständigen, natürlichen Familien mit mehreren Kindern und einem Ehepartner voll in der Kindererziehung engagiert. Dazu müssen freilich zum Teil erst die Grundlagen in der Verfassung geschaffen werden, denn die neulich revidierte Bundesverfassung steht manchen Forderungen echter Familienpolitik entgegen. Welche Massnahmen stehen zur Diskussion? Die Basler Philosophin Angelika Krebs plädiert in ihrem Buch für die soziale und ökonomische Anerkennung der Familienarbeit. Die Spitzenvertreter der grossen Kirchen in Deutschland haben sich erstmals für ein Familienwahlrecht ausgesprochen, wie es die KVP schon seit einiger Zeit in ihrem Programm fordert (Informationen der Schweizerischen Stiftung für die Familie, Nr. 2/2002). Kernpunkt ist und bleibt im Uebrigen das Erziehungsgehalt (wie in Frankreich, Schweden und Norwegen diskutiert) In der Schweiz haben erstmals Freiburger Wissenschafter im Rahmen einer vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bezahlten Studie eine Mutterschaftszulage für alle Mütter von 500 Franken unabhängig von deren beruflichen Status vorgeschlagen (NZZ Nr. 246 vom 23.10.2002). In Österreich diskutiert man den Kinderbetreuungscheck. Zudem: Wenn Geld für Krippen ausbezahlt wird, dann sollen es alle Eltern erhalten, wobei sie wählen können, ob sie das Geld für Betreuungsplätze ausgeben oder behalten wollen. (Jürgen Liminski, in: DER FELS, Nr. 5/2002, S. 134).

Die Forderung nach einem Erziehungsgehalt erhob einmal mehr auch der früherer Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, Heidelberg, am Berliner Kongress "Demographie und Wohlstand", durchgeführt vom Koordinationskreis Familien und Gesellschaft vom 12.-13. Juni 2002. (Die nachfolgenden Ausführungen sind dem ausgezeichnete Bericht zu diesem Kongress in "Abendland", Juni 2002, entnommen.). Der Kongress machte klar, dass wir eine Wende in der Familien- und Bevölkerungspolitik brauchen. "Die Geschichte zeigt: Bei zurückgehender Bevölkerung hat es noch nie einen wirtschaftlichen Aufschwung gegeben", machte Gérard-François Dumont, Sorbonne, klar. Der Präsident des Ifo-Institutes für Wirtschafsforschung, Hans-Werner Sinn, München, machte deutlich, dass die Entscheidung für Kinder nicht zuletzt von wirtschaftlichen Impulsen beeinflusst werde, wie ein Familienprogramm der DDR 1974 gezeigt habe. Scharfe Kritik wurde von mehreren Seiten auch an den Kinderkrippen geübt. Parteien hoffen auf mehr Stimmen, wenn sie Eltern versprechen, ihnen die Kinder abzunehmen, wie das etwa die CVP tut. Kinderkrippen für Kleinkinder unter drei Jahren könnten sich negativ auf deren Selbstwertgefühl auswirken. Empirische Untersuchungen haben ergeben, dass Mütter ihre Kinder auch behielten, wenn sie 450 Euro bekämen.

Grenzen des Sozialstaates
Die Familie soll wirtschaftlich autonom sein. Vor einer "Neidökonomie der Familie" (Gerd Habermann) ist grundsätzlich zu warnen.

"Herangezogen wird ein Vergleich mit einem Single, der sich einen höheren Lebensstandard erlauben kann als jemand mit Familie. In diesem krass materialistischen Vergleich werden die Vorteile des Kinderhabens nicht angemessen berücksichtigt. Das Kind wird als ?Leistung? für die Allgemeinheit angesehen, für welche es einen Kompensationsanspruch gegenüber dem Staat bzw. dem Steuerzahler gibt. Sogar die bürgerlichen Parteien befürworten staatliche Familiengelder als sozialpolitischen Schlager. Die Kosten der Familie werden in dieser Weise sozialisiert. Die Familie wird ihres Sinnes als einer unabhängigen Selbsthilfegemeinschaft durch den Staat beraubt. Mutter und Vater werden - bewusst provokativ formuliert - bezahlte Staatsfunktionäre zu Reproduktionszwecken. Mein Kind - deine Ausgabe!" (Gerd Habermann, in: NZZ Nr. 51 vom 02./03.03.2002, S. 29).

Verantwortliche Elternschaft bemisst die Kinderzahl grundsätzlich entsprechend der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Sozialleistungen sind bedürfnisgerecht auszugestalten. ("Jedem das Seine"). Kinderzulagen sollen daher gemäss Einkommen bemessen werden. Hohe Einkommen beispielsweise sollen keine Kinderzulagen erhalten; diese Forderung stellte bereits eine Studie des Nationalfonds aus den 90er-Jahren auf.

Dort, wo aus wichtigen gesamtgesellschaftlichen Gründen Leistungen staatlich honoriert und anerkannt werden sollen, müssen die Staatsbeiträge entsprechend den Leistungen differenziert werden. Dabei ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Familie klar leistungsfähiger als Eineltern-Verhältnisse oder Konkubinatsverhältnisse. Ausserdem muss plausibel sein, dass mit der Massnahme die gesamtgesellschaftlichen Zielsetzungen (z.B. Erhöhung der Kinderzahl) erreicht oder zumindest gefördert werden. Die Schweiz soll ein Auswanderungs- und kein Einwanderungsland werden; die Milliarden, welche in die Einwanderung und die doch nie gelingende Integration gesteckt werden, sollen in die Familienpolitik und die Erhöhung der Kinderzahl geleitet werden. Einwanderung zahlt sich nie aus und ist immer teurer als eine gute Familienpolitik. Entsprechende Regelungen sind angesichts der erwähnten Gefahr einer Neidökonomie restriktiv zu handhaben.

Fakten zur Kinderzahl
Meinen, dass mit erhöhten Sozialleistungen auch die Kinderzahl wachse und die Schrumpfung der Bevölkerung verhindert werden könne, hat seine Tücken. Es braucht ganz erhebliche Mittel, um hier Einfluss zu nehmen. Gemeinhin liegt die Kinderzahl in Europa bei zirka 1,2 pro Frau. Notwendig für den Beibehalt des Bevölkerungsstandes wären 2,1. Frankreich und Schweden haben etwas höhere Geburtenraten als der Durchschnitt. In Frankreich sind es 1,8 Kinder pro Frau, "was vermutlich auf die jahrelange grosszügige Steuerpolitik gegenüber grossen Familien zurückzuführen ist" (Cash Nr. 10 vom 07.03.2003). USA und Grossbritannien liegen dagegen bei 2,4 bzw. 2,1, was auffällt, da diese beiden Länder weitaus weniger grosszügige Mutterschaftsschutzgesetze kennen als Kontinentaleuropa. In USA sind die Frauen häufiger erwerbstätig als in Europa. Der erwähnte Cash-Artikel begründet den Unterschied mit günstigen Krediten für junge Paare in den USA, um ein Haus zu kaufen. Ausserdem sind die Mietmärkte in USA viel flexibler als in Europa. Entscheidend ist indes die Religiosität eines Volkes. Bei schwindender Religiosität schwindet auch die Kinderzahl. In einer dekadenten Überflussgesellschaft werden Kinder vor allem als Kostenfaktor wahrgenommen, nicht mehr als Geschenk Gottes und Bereicherung des Lebens. Die USA sind in ihrer Grundstimmung viel religiöser als Kontinentaleuropa. 90 Prozent der amerikanischen Bürger bezeichnen sich als gottgläubig. In Italien ist dieser Anteil mittlerweile unter die Fünfzig-Prozent-Grenze gerutscht (NZZ vom 14.12.2000, Seite 9). In religiös und damit immer auch ländlich geprägten Kantonen der Schweiz (Inner- und Ostschweiz) ist der Kinderanteil am grössten. In den Innerschweizer Kantonen sowie in Freiburg, Waadt, Wallis, Aargau, St. Gallen und Thurgau ist die Alterung relativ niedrig. Die schlechtesten Werte weisen städtische Gebiete auf. Zurückzuführen sind diese Verhältnisse unter anderem auf "die kleinen Kinderzahlen der 1968er-Generationen." Bezüglich Scheidungszahlen herrschen analoge Verhältnisse. (Vgl. Bundesamt für Statistik, publiziert am 18. März 2003). Religiöse, traditionell ausgerichtete Gemeinschaften warten daher mit Spitzenwerten bezüglich hoher Kinderzahlen und tiefer Scheidungszahlen auf. "Stirbt der Glaube - stirbt auch das Volk" (Edmund Dillinger, in: DER FELS 7/2003, S. 213 ff., unter Hinweis auf weitere Dokumente zur demographischen Katastrophe). Jürgen Liminski bestätigt seinerseits, dass relativ fortschrittliche Familiengesetzgebungen wie in Frankreich, Skandinavien oder Österreich keine Garantie für eine höhere Geburtenquote sei - trotz flächendeckender Ganztagseinrichtungen (Jürgen Liminski. Zeit, Geld, Bildung, in: DER FELS, Nr. 4/2003, S. 116 f.)

Der moderne Wohlfahrtsstaat, gekoppelt mit den aufklärerischen Ideologien aller Schattierungen, namentlich dem Feminismus, ist daher für den Bestand der Völker auf lange Sicht existenzbedrohend. Die gängige Emanzipation der Frau muss als gescheitert betrachtet werden.

Erstmalige Erscheinung sowie Änderungen: 1. Juli 2003 / 27. Februar 2003 / 23. Dezember 2002 / 12. Oktober 2002 / 4. Februar 2002

 

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