15.09.1999, Dr. Lukas Brühwiler-Frésey, Ständeratskandidat, Amriswil

Zum Bettag: In Freiheit dem Frieden dienen


Wäre die neue Bundesverfassung der Schweiz vom 18. April 1999 ein Meisterwerk, bräuchte man sich über die Zukunft der Schweiz weniger Gedanken zu machen. Nun ist es allerdings so, dass das Meisterwerk die alte Verfassung war und an seiner Stelle eine Baugrube eröffnet wurde. Der Verfassungsgeber war nicht mehr in der Lage, ganzheitlich eine Zukunft zu entwerfen. Vieles geht zurzeit in Brüche und gehandelt wird mit Vorliebe bruchstückhaft. Mit dem Fall der Mauer hat der Neomarxismus mitten in Europa neue Betätigungsfelder gefunden. Sinnenfällig kam das etwa zum Ausdruck mit der Abschaffung des Verschuldensprinzips im Scheidungsrecht - ein Postulat, das schon Friedrich Engels aufgestellt hat. Die Islamisierung Europas, verbunden mit gleichzeitigem Abbruch des Christentums, schreitet voran. Der wirtschaftliche Neoliberalismus frisst dem Menschen Arbeit, Familie und Heimat unter den Füssen weg. Besonders auf die kleinste Zelle der Gemeinschaft - die Familie - stürzen diese Entwicklungen ein - mit Gewalt, Sucht, extremer Unvernunft und anderen Strukturen gesellschaftlichen Zerfalls als Folge. Was will wer auf all diesen sinnlosen Koordinaten noch bewerkstelligen? Was soll gar ein ganzer Staat, ein so feingliedrig aufgebautes Gebilde wie die Schweiz noch einheitlich wollen?

Die Schweiz kann nur wollen, was immer Völker und Individuen in schwieriger Lage gewollt haben: in Freiheit das Gute, Schöne und Wahre anstreben und dafür einstehen, in Freiheit dem Frieden dienen, in Freiheit arbeiten, lieben, leben und - auch das ist gefährdet - in Freiheit sterben. Das war die Idee der Schweiz seit ihrem Bestehen und hielt sie zusammen. Diese Idee zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Schweizer Geschichte. Nie hat sich die Schweiz diese Freiheit ausspielen lassen, etwa durch das Argument der Kleinheit, der Solidarität oder der engen Verflochtenheit mit dem Ausland. Auch staatliche Souveränität und individuelle Freiheit wurden letztlich nie gegeneinander ausgespielt. Die Schweiz braucht sich daher heute nicht von internationalen Strukturen zähmen zu lassen, um ungefährlich zu bleiben. Das Lebenselixier der schweizerischen Freiheit ist nämlich die machtpolitische Neutralität im Sinne einer moralischen Grundhaltung. Über diese Neutralität konnte sich die Schweiz langfristig Ordnung und Friede nach aussen und innen erhalten. Diese Neutralität im Verbund mit der Freiheit befähigte die Schweiz, grosse kulturelle und humanitäre Leistungen zu erbringen. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass es in Zukunft nicht so bleiben soll. Es mögen daher alle aufbauenden Kräfte und Umstände, aber auch die Vorsehung, es so richten, dass die Schweiz auch ihre Zukunft aus jenem Glauben gestalten kann, der sie in den vergangenen Jahrhunderten begleitet hat.

 

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