18.07.2001, KVP Thurgau

Der andere Thurgau: Dritte Auflage


Es begann mit dem Klosterraub
Jedermann weiss, dass der revolutionäre Staat in der Folge der französischen Revolution die Klöster aufgehoben und die Kirchengüter angeeignet hat. Der Thurgau machte keine Ausnahme. Mit Beschluss vom 27. Juni 1848 hob der Kanton Thurgau seine Klöster formell auf, nachdem bereits 1838/39 erste klösterliche Besitzungen im geschätzten Wert nach heutiger Währung von weit über 60 Millionen Franken annektiert wurden. Ausgangspunkt jener Entwicklung war die Zeitepoche der Helvetik mit Beginn im Jahre 1798. Der Kanton Thurgau feierte die 200 Jahre seit der Helvetik 1998 ausgiebig, und die Kirchen des Kantons stimmten mit einer Veranstaltungstrilogie in den Festgesang ein. Sie betonten die "Partnerschaft" mit jenem Staat, der ihnen seinerzeit die Güter geraubt hatte. An der Eröffnung der Trilogie war Bischof Kurt Koch sich durchaus bewusst, dass die siegreichen Freisinnigen unter anderem die Kartäuser aus ihren Häuschen verjagt hatten. Manche Erzkatholiken - so der Bericht im Bodensee Tagblatt - hätten es ihnen bis heute nicht verziehen. Der Basler Bischof Kurt Koch gehöre aber nicht dazu.

Kirchlicher Flankenschutz
Die Schüler wurden verpflichtet, an den Helvetikfeiern 1998 landauf und landab teilzunehmen und um die Freiheitsbäume zu tanzen. Ein Schüler nahm daran allerdings nicht teil und liess sich entschuldigen. Gegen die Eintragung seiner Absenz als "unentschuldigt" erhoben die Eltern wegen unzulässiger Verpolitisierung der Schule, Willkür, Verletzung der Glaubens- und Gewissensfreiheit Rekurs. SP-Regierungsrätin Vreni Schawalder wies den Rekurs ab und konnte auf die Haltung der Kirche verweisen, indem sie festhielt, das Geschichtsverständnis hinter diesen Feiern hätte keinen religiösen Hintergrund und der Freiheitsbaum sei nicht Ausdruck irgendeines religiösen Symbols. "Weder die evangelische noch die katholische Landeskirche noch eine andere bekannte Glaubensgemeinschaft haben Einwände gegen die Helvetikfeiern erhoben bzw. in irgendeiner Weise darauf hingewirkt, dass bei den Helvetikfeiern den religiösen Überzeugungen ihrer Mitglieder Rechnung getragen werden müsste." Damit ist die Kirche durch ihr vorbehaltloses Engagement bei den Helvetikfeiern ihren eigenen Gläubigen in den Rücken gefallen und hat dem Klosterraub Flankenschutz geboten. An ihr wäre es indes gewesen, auch bei den neuerlichen Feierlichkeiten jene Vorbehalte gegenüber der Helvetik anzubringen, welche in anderen Kantonen, namentlich der Innerschweiz, durchaus weiterhin gelebt und gepflegt werden und zum katholischen politischen Bewusstsein gehören. Denn diese Vorbehalte vermögen auch heute noch die Strukturen der von der katholischen Kirche entfernten Gesellschaft aufzuzeigen.

Tote Schüler – kein Thema
Mittlerweile beginnt man im Thurgauischen Schulsystem, die Toten und seelisch Verkrüppelten zu zählen. Nachdem sich ein Schüler nach den Ferien in Amriswil vor den Zug geworfen hatte, weil er vor dem Schulsystem Horror empfand, nahm sich Anfang Februar 2000 in Pfyn der Schüler Nicolas das Leben. Er wies keineswegs unterdurchschnittliche Noten vor, kam allerdings aus einer Ein-Kind-Familie – aus einer "stabilen Mittelstandsfamilie", wie der Leiter des Psychologischen-Pädagogischen Dienstes des Thurgauischen Erziehungsdepartementes erklärte. Trotz dieser Qualifikation fühlte sich der 13-jährige Knabe im schulischen wie im privaten Bereich überfordert, wie er im Abschiedsbrief schrieb. Das Mordwerkzeug klaute er bei einem befreundeten Nachbarn. Eindruck gemacht hat dem Kind das an der Schule praktizierte "Mittelalterlager". Die Schüler durften alles ausprobieren – Mönch, Ritter oder eine andere mittelalterliche Rolle. Wer als Ritter im Turnier fiel, wurde als Mönch wiedergeboren. Diese antichristlichen Rituale mit christlichem Figuren – die Reinkarnationslehre ist gerade für Kinder eine besonders brutale Theorie - zeigen einen Grund für die Überforderung der Kinder. Einen Tag nach dem Vorfall meldete die Kantonspolizei, dass Fremdverschulden mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden könne und nach der Pause am Morgen des Folgetages ging der Schulbetrieb bereits wieder normal weiter. Die Toten gehören zum Schulalltag, wie in allen totalitären Systemen. Nur ein paar wenige Leserbriefe folgten noch. Einer davon wies auf den in Schulkreisen zirkulierenden Film "Projekt Fleisch" hin, wo Selbstmordszenen hochstilisiert und verherrlicht werden und der Tod als selbstverständlich und befreiend dargestellt wird. In einem andern Leserbrief wies eine Mutter aus Pfyn auf Gewalt an der Schule Pfyn hin mit der Bemerkung: "Man schaut weg, bagatellisiert, redet nicht darüber, eben: kein Thema".

Schule gegen vatikantreue Katholiken
Spuren dieser Politik führen im Thurgau rasch in verschiedene Serviceclubs. Die Unterscheidung der Geister ist dabei oftmals nicht einfach, weil selbst katholische Geistliche oder ihnen nahestehende Personen in solchen Clubs verkehren. Der Geist dieser Clubs ist im öffentlichen Leben indes allgegenwärtig. So sitzt beispielsweise der Rotarier und Amriswiler Kaufmann Jörg Tschopp in der Aufsichtskommission der Kantonsschule Kreuzlingen. An dieser Schule ist es Tradition, dass die Rotarier jährlich die zukünftigen Maturanden einladen, um mit ihnen über berufliche und andere Fragen zu sprechen. Am diesbezüglichen Essen gilt die Auflage, "dass weder zwei Rotarier noch zwei Schüler nebeneinandersitzen" dürfen. Eine ähnliche Dienstleistung erbringt der Kiwanis Club Frauenfeld für die Kantonsschulen Frauenfeld und Romanshorn. Die Schule in Kreuzlingen durchlaufen hat beispielsweise der bis 2000 im Amt gewesene Präsident der Jungen CVP Thurgau, Andreas Juchli. Er gehört der CVP an, "weil ich zuwenig bodenständig und konservativ bin, um der SVP anzugehören, aber auch zu sehr Realo und zu liberal bin, um die SP-Fahnen zu schwingen". Dass die christliche Soziallehre "kein dritter Weg zwischen liberalistischem Kapitalismus und marxistischem Kollektivismus (...), vielmehr etwas Eigenständiges" (Laborem exercens) ist, wird in solchen Positionen verkannt.

In den Aufsichtskommissionen der Kantonsschulen Romanshorn und Kreuzlingen sitzt nebst Tschopp, auf den unten noch weiter einzugehen sein wird, FDP-Grossrätin Anita Fahrni - Gattin des resignierten Sulzer-Konzernchefs Eugen Fahrni. Anita Fahrni ist eine glühende Verehrerin der UNO-Weltfrauen-Konferenz von Peking mit ihren Forderungen nach fünf Geschlechtern. In ihrer Festrede vom 28. Juni 1996 an der Kantonsschule Romanshorn berichtete sie den Schülern über das, was an der Pekingkonferenz geschrieben und gesprochen wurde: nämlich über den Streit "zwischen vatikantreuen und anderen Katholiken". Diskussionen zum Thema Abtreibung seien immer wieder erwähnt worden. "All das war relativ negativ. Was bei den vielen Berichten zu kurz kam, war das Positive", durfte Anita Fahrni vor versammelter Festgemeinde sagen.

Mit eigenartigen Sichtweisen und Bischöfen
Die Serviceclubs behaupten von sich, Freundschaft pflegen zu wollen, hohe ethische Grundsätze sowie die Werte jeder für die Allgemeinheit nützlichen Tätigkeit zu beachten. Sie sehen sich in einer Weltgemeinschaft von Berufsleuten, geeint im Ideal des Dienens. Diese Grundsätze, so wie sie interpretiert werden, lassen sich dem atheistischen Humanismus zuordnen und prägen die moderne Geschichte des Kantons Thurgau. Die Klöster wurden im Thurgau unter anderem deshalb aufgehoben, weil sie "jedem gemeinnützigen Wirken ferngeblieben sind", wie der Kleine Rat des Kantons Thurgau 1848 erklärte.

Die antikirchliche Einstellung dieser Kreise hält bis in die neueste Zeit an. Der bereits erwähnte Jörg Tschopp stellte in einem Artikel zum 1200-Jahr-Jubiläum von Amriswil im Juli 1999 die schwierige Lage der Landeskirchen fest, "da diese Institutionen offenbar die Zeichen der Zeit noch nicht genügend erkannt haben". Es könne "verhängnisvoll sein, wenn man zu lange auf ausgetrampelten Pfaden weiterschreitet, weil so viele unentdeckte Möglichkeiten nicht gesehen werden und damit verschlossen bleiben". Atheistischer Humanismus versteigt sich nebst unfundierten, kirchenkritischen Kommentaren leicht zu hochtrabenden, nicht selten alles Bisherige, insbesondere die Traditionen geringschätzenden Sichtweisen. So glaubte Peter Schifferle, Präsident der Thurgauer Industrie- und Handelskammer, "dass Wirtschaft und Politik die Hausaufgaben (...) gelöst haben", und "dass wir für das dritte Jahrtausend die organisatorischen Grundlagen geschaffen haben". SVP-Mann Peter Kummer, von der örtlichen CVP im Wahlkampf unterstützter Abtreibungsbefürworter und Gemeindeammann von Amriswil, äusserte sich zum bereits erwähnten 1200-Jahr-Jubiläum dieser Stadt, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Arbeitnehmer aus dem Ausland herbeigeholt und eine blühende Textilindustrie hatte: "Nun nach 1200 Jahren möchte sich Amriswil vermehrt der grossen weiten Welt präsentieren. Es steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden und möchte den Schritt in die Volljährigkeit wagen." Erstaunlich! Was müssen das für Übermenschen sein, welche ganze Jahrtausende organisieren und die vielen Generationen der letzten 1200 Jahre eines Ortes vor der Schwelle zum Erwachsenendasein sehen!

Den wahren Gott vergessen
Nach dem 1200-Jahr-Fest in Amriswil lobten alle den günstig gesinnten Wettergott des Festwochenendes. Die Berichterstattung über den Festtagsgottesdienst am Sonntagmorgen hatte neben den vielen Bildern mit Nebensächlichkeiten in der Presse allerdings keinen Platz gefunden. Möglicherweise war dies deshalb so, weil Bischof Yvo Fürer von St. Gallen nicht den Festtagsgottesdienst hielt, sondern als Festredner bei der weltlichen Feier im Kreise namhafter Serviceclub-Männer auftrat. Damit hatte er die Akzente so gesetzt, wie man es von einem Bischof eigentlich nicht erwarten würde. Jedenfalls musste ein Festtagsbesucher und kirchlicher Informationsbeauftragter später noch separat mit einem Artikel zum Sonntagsgottesdienst dem wahren Gott publizistisch Referenz erweisen.

Phönix entsteigt der gottvergessenen Asche
Ein gar wüstes Ding spielte sich am 25. April 1998 in Steckborn ab. Die Theatergruppe "Lufthunde" führte im Phoenix-Theater das Stück "Wahrlich ich sage Euch..." auf. Darin wird Gottvater zum senilen Stadtstreicher mit Clownnase und entstellten Aussagen degradiert. Jesus wird zum Clown und läppischen Idioten, Chaoten und Spässeklopfer, Maria zur unwürdigen dümmlichen Schlampe gemacht. Gegen diese gotteslästerliche Aufführung mit staatlichen Mitteln finanziert (allein vom Kanton fliessen 25’000 Franken jährlich) gab es Proteste seitens der Schweizer Demokraten (SD) und der Eidgenössischen Demokratischen Union (EDU). Der Präsident der SD forderte den Rücktritt von CVP-Mann Thomas Zweidler, Präsident des Obergerichts des Kantons Thurgau, weil dieser als administrativer Leiter des Theaters die Einleitung zur Theateraufführung gesprochen und dabei die Kritiker verächtlich gemacht hatte. Der EVP-Präsident rechtfertigte das Theater allerdings, und ein anwesender Pfarrer hat das Stück gar zum Thema seiner sonntäglichen Predigt gemacht und sich öffentlich zum "positiven Denkanstoss" dieses Stückes geäussert. Von der Kirche vermisste man jegliche Stellungnahme. Ein Jahr später stand die Region von Steckborn unter Hochwasser...

Und die Musik spielt dazu
Den Taktstock führt immer wieder der Stadtammann von Frauenfeld, Hans Bachofner, SVP. Zum Rock-Festival "Out in the Green" 1998 begrüsste er unter anderen die Rolling Stones. Ihr Leben, eine Mischung aus Sex, Drugs und Rock-‘n’-Roll, sei zu einem Mythos geworden - it’s only Rock-‘n‘-Roll, but I like it, wie die Thurgauer Zeitung schrieb. Ihr Leben sei eine friedliche Traumwelt, inmitten von Stress, Missgunst, Streit, wie die gleiche Zeitung meinte. Das sahen selbst die Rolling Stones früher allerdings etwas anders. "Rock ist mehr als nur Musik, er ist das Energiezentrum (...) einer Jugend in Rebellion." Bandmitglied Keith Richard erklärte: "Unsere echte Gefolgschaft ... sind die Hippies ... Sie denken alle wie wir und stellen einige von den moralischen Hauptübeln in Frage: (...) das Verbot der Abtreibung, die Verfolgung der Homosexuellen." Bandmitglied Mick Jagger, der sich selbst Luzifer des Rock nannte, wurde noch etwas konkreter: "Rockmusik ist Sex, und man muss die Teenager damit ins Gesicht treffen. Ich verführe meine Zuhörer. Was ich tue, ist stark das Gleiche wie der Stripteasetanz eines Mädchens." Die Rolling Stones tauften einen ihrer Alben "Auf Ersuchen seiner satanischen Majestät". Auf dem Umschlag posierten sie selbst als Hexen. Einer ihrer Songs, "Sympathy for the Devil", ist die landesweite Hymne der Satanisten. Auf einer anderen Platte sind die Schreie von Voodoo-Besessenen, in Haiti aufgenommen, zu hören. Das alles hinderte den Stadtammann von Frauenfeld aber nicht, bei den Rolling Stones von einem "Auftakt nach Mass" zu sprechen. "Wie schön, dass sich Mütter und Väter gemeinsam mit ihren Söhnen und Töchtern in die Welt von Rock-‘n‘-Roll, Pop und Blues entführen lassen - Verständigung zwischen Generationen dank Musik!", meinte Bachofner. Demgegenüber erklärte Kardinal Ratzinger bereits früher, warum diese Art von Musik aus der Kirche ausgeschlossen bleiben muss: "Solche Musik legt die Schranken der Individualität und der Personalität nieder".

Kirchliche Anleihen im humanistischen Atheismus
Wie tief der humanistische Atheismus selbst in kirchliche Kreise eingedrungen ist, zeigt der Umstand, dass die Kirche dem kommunistischen und neomarxistischen Gedankengut gut und gern Platz gibt oder zumindest dort gedankliche Anleihen aufnimmt. So lud das katholische Dekanat Fischingen zusammen mit andern kirchlichen Organisationen Alfred A. Häsler zu einem Vortrag ein. Häsler ist Alt-Kommunist und seit der Veröffentlichung seines Buches "Das Boot ist voll" darauf spezialisiert, der Kriegsgeneration vorzuhalten, was sie hätte besser machen sollen. Häsler sei "nichts anderem als der Aufgabe verpflichtet, Wahrheit erkennen zu wollen", meinte das Dekanat in der Ankündigung von Häslers Auftritt im Tannzapfenland.

Trübsichtig schreibt zeitweilig auch der CVP-Mann Alfred Böhi aus Frauenfeld, der in einer Spalte der ehemaligen Thurgauer Volkszeitung behauptete, dass Karl Marx lange vor der Sozialenzyklika "Rerum novarum" (1891) ganz im Sinne von Johannes Paul II. das zur Sprache gebracht habe, was im Rundschreiben "Laborem exercens" von Johannes Paul II. stehe. Die KVP konterte. Böhi hat das allerdings nicht beeindruckt, schrieb er doch handkehrum über den "entschuldbaren Clinton", der als Sittenstrolch weltweit bekannt ist und - obwohl Mitglied einer Sekte - sich nicht scheute, in Südafrika die Kommunion zu empfangen.

Leider machen auch höchste kirchliche Würdenträger immer wieder gedankliche Anleihen im sozialistischen Denken. So erklärte Bischof Kurt Koch an einer internationalen Tagung über Kirche und Staat, die Kirche müsse sich als universale "Internationale Gottes" bewähren, "um sich ihrer stets drohenden nationalistischen Versuchung wehren zu können" (SKWZ Nr. 19/98 vom 8. Mai 1998). Warum sorgte sich Bischof Kurt Koch nicht ebenso über die aktuelle Internationalisierung und Globalisierung mit der bisher höchsten weltweiten Arbeitslosigkeit?

Altäre im antichristlichen Spinnennetz
Das Antichristentum hat im Thurgau selbst vor den Altären nicht Halt gemacht. Die Krypta der Bischofskirche von Innsbruck und die Umgestaltung der Gnadenkapelle von Einsiedeln mit dem "Volksaltar" wurden beide vom Bildhauer Dr. Georg Malin ausgeführt. In der Krypta in Innsbruck steht ein schwarzer Altar, und im Raum selbst sind weitere freimaurerische Symbole angebracht. Die Gestaltung der Krypta erfolgte unter der Verantwortung des mittlerweile zurückgetretenen Bischofs Reinhold Stecher, Träger des höchsten Ordens der jüdischen Loge B’nai B’rith, der nach seinem Rücktritt den Papst in einem Brief frontal angriff.

Dr. Malin war auch - zurück zum Kanton Thurgau - Ausführer des schwarzen Marmoraltars in der katholischen Pfarrkirche Amriswil. Seit dieser Altar in der Pfarrkirche 1971 im Rahmen der Neugestaltung des Chorraumes für 230’000 Franken eingebaut wurde, ist die Pfarrei unruhig und zerstritten. Seit Jahren wirken Katecheten ohne Erfolg. Jüngst musste einer entlassen werden - Alexander Burkart, nebenbei bis 1999 Mitglied des Vorstandes der Jungen CVP Thurgau. In der Pfarrei St. Stefan in Amriswil läuten derweil wegen der Kirchenaustritte die Alarmglocken, wofür unter anderem die Konkurrenz seitens der Michaelsvereinigung in Dozwil verantwortlich gemacht wird. Trotzdem herrscht "Ratlosigkeit" in Amriswil.

Kirchenbehörden unter politischer Kontrolle
Katechet Burkart gehörte als Mitglied des Vorstandes der Jungen CVP Thurgau zu jener CVP-Formation, welche die Gleichstellung der Homosexuellenbeziehungen mit der Ehe verlangte. Vizepräsident dieser Jungpartei war Markus Hungerbühler, der gleichzeitig als Sekretär des Pfarreirates Amriswil wirkte. Sein Pfarreiamt hat er mittlerweile gegen das Sekretariat der kantonalen CVP eingetauscht. Die katholische Kirche steht deswegen indes nicht weniger unter dem direkten Einfluss der CVP. CVP-Ortspräsident Werner Schildknecht hatte den Auftrag, die Wahlvorschläge für die Ersatzwahlen der örtlichen Kirchenvorsteherschaft vorzubereiten. Das ist ihm vorzüglich gelungen. Anlässlich der Gemeinderatswahlen in Amriswil vom Frühjahr 1999 konnte Schildknecht ein Mitglieder der Kirchenvorsteherschaft auf der CVP-Liste begrüssen. Damit war sichergestellt, dass niemand aus kirchlichen Kreisen sich an der gleichzeitigen Gemeinderatskandidatur von Markus Hungerbühler, dem damaligen Vizepräsidenten der Jungen CVP, welche die Gleichstellung der Homosexuellenbeziehungen mit der Ehe fordert, störte. Die Kirche - ein Steigbügelhalter der Homosexuellen-Bewegung? Jedenfalls ist man erinnert an die orthodoxe Kirche, welche mit ähnlichen Methoden der kommunistischen Partei und dem KGB dienstbar gemacht wurde.

Schwulenpolitik CVP-like
In letzter Zeit dümpelt die Junge CVP nur noch schlecht und recht dahin. Zu einer Teilnahme an einem Wahlkampf brachte sie es bis anhin noch nie. Jungpartei-Präsident Andreas Juchli sowie Vorstandsmitglied Alex Burkart, der in der Pfarrei Amriswil, wie erwähnt, als Katechet erfolglos tätig war, sind längst zurückgetreten.

CVP-Ständerat Philipp Stähelin gratulierte der Nachwuchspartei trotzdem zu ihrem Engagement. Aufgabe einer Jungpartei sei es, nicht der Mutterpartei nachzurennen, sondern den Finger auf Punkte zu legen, wo die Jungen glauben, es laufe etwas nicht wie es sollte. Ihre Ziele konnten die Jungen mit einem Bundeshausbesuch bei CVP-Nationalrat Hansueli Raggenbass sowie mit einer Visite beim Europarat verfolgen. Auf europäischer Ebene wird die Gleichstellung der Homosexuellen bekanntlich besonders aktiv forciert. Folgerichtig hat sich die CVP Thurgau anlässlich der Regierungsratswahlen 2000 für die Wahl des SP-Mannes Claudius Graf-Schelling ausgesprochen. Graf-Schelling unterstützt die Gleichstellung der Homosexuellenbeziehung mit der Ehe ebenfalls und ist ein Befürworter der Fristenlösung. Sein Amt im Regierungsrat trat er an mit einem Spruch aus dem Matthäusevangelium Vers 7.7 "Klopfet an, so wird euch aufgetan." Die Pseudoberufung auf christliche Gedanken und Rituale zeichnet die meisten totalitären antichristlichen Systeme aus, daran erkennt man sie oftmals geradezu. Berücksichtigt man ferner, dass das Bodensee Tagblatt und die seinerzeitigen Tagesspiegel-Zeitungen - darunter die ehemals katholische Thurgauer Volkszeitung - der Schwulenbewegung besonders günstig gesinnt waren oder immer noch sind und namhafte Vertreter der Katholischen Kirche Thurgau der Schwulenbewegung sowie den Exponenten der Jungen CVP wohlwollend gegenüberstehen und lieber die echten Katholiken ins Abseits stellen, so verfügen die Schwulen heute im Thurgau über ein potentes Beziehungsnetz, in dem die CVP eine Scharnierrolle einnimmt.

Gleich nebenan Lions-Freund Stähelin
CVP-Ständerat Philipp Stähelin stellte als Sanitätsdirektor jahrelang die Rahmenbedingungen für die unter dem Schutz der Legalität durchgeführten Kindestötungen in Kliniken und Privatpraxen (Abtreibung) des Kantons Thurgau sicher. Individuelle Rechte müssen seiner Ansicht nach klare Grenzen haben. Einem "exzessiven Individualismus" schwörte er ab. In diesem Sinne äusserte er sich im Frühjahr 2000 anlässlich der Jubiläumsfeier des Lions Clubs Oberthurgau im Bischofszeller Rathaus vor zwei Dutzend Lions-Mitgliedern. Das weltweit gültige Leitmotiv der Lions sei "Helfen". Die zwei Dutzend Lions-Mitglieder aus dem Oberthurgau erhielten die Grüsse des Gesamtregierungsrates, da Lions und Freundschaft "synonyme Begriffe" seien. Stähelin teilte dem Lions Club mit seinen weltweit 1,5 Millionen Mitgliedern bei der gesellschaftlichen Entwicklung eine "Hauptrolle" zu. Der Gemeinschaft zu dienen, ohne daraus persönlichen Nutzen zu ziehen, wie Lions-Präsident Beat Fässler die Eigenart des Lions Clubs umschrieb, erinnerte an klösterliche Ideale. Hinter den Lions-Ideen stehen indes andere Leute und Praktiken. Beispiele, wo die schönen Ideale verwirklicht werden – etwa beim Schutz des ungeborenen Lebens oder im Kampf gegen die Destruktion des Lebens - nannte der Lions-Präsident Oberthurgau denn auch keine.

Club-Hochburg Hagenwil mit Friedhof
Der Lions Club Oberthurgau wurde am 18. Januar 1980 im Schloss Hagenwil gegründet. Dort haben auch die Rotarier ihren Stamm. Jüngst verstarb Paul Mäder, römisch-katholischer Pfarrer. Er war Gründungsmitglied des Rotaryclubs Oberthurgau. Die Todesanzeige des Clubs wurde in "Hagenwil, 18. Mai 2000" ausgestellt. Das Schloss Hagenwil ist heute fest in der Hand der Serviceclubs. Den Nachruf auf den ebenfalls jüngst verstorbenen Schlossherrn Alphons Angehrn hielt in der Bodensee Zeitung der bereits mehrfach erwähnte Governor des Rotary-Districts 2000 (Ostschweiz), Jörg Tschopp aus Amriswil. Nach gleichem Schema verlief das Abdankungsritual zum Schullehrer, "Dichterfürsten" von Amriswil und Rotarier Dino Larese 2001. Dabei zeigte sich des Freimaurers Tod: "...mitansehen, wie den einstmals lebensfrohen, fantasiereichen und visionären Mann langsam die Kraft verliess. Stumm, in sich gekehrt, mit grossen Augen, die in die Endlosigkeit zu blicken schienen", habe man ihn vor dem Abschied von dieser Welt erlebt, wie der Maler und Schriftsteller Bruno Epple gesagt haben soll. Die örtliche Behörde beklagte den "Abschied für immer" vom kulturellen Weltenbürger, Humanisten und Menschenfreund, von dem, der die Euregio Bodensee jahrzehntelang praktizierte. Christliche Symbole oder Gedanken fehlten in allen Texten, die zu seinem Tod geschrieben wurden. Die Pfarrherren von Amriswil und Hagenwil stellten ihre Dienste für den Trauergottesdienst zur Verfügung. Obwohl Larese kaum als Kirchgänger aufgefallen war, liegt er heute – privilegiert – auf dem Friedhof von Hagenwil begraben. Damit ist selbst diese Stätte symbolträchtig von Freimaurern belegt.

Mit oder ohne Service?
In keinem Serviceclub eingeschrieben war der dank der KVP gewählte Nationalrat der Freiheitspartei, Wilfried Gusset. Sonst ist der Clubgeist bei den politischen Mandatsträgern aber weit verbreitet, und zwar bis hinein in die SVP, was beispielsweise erklären dürfte, dass der ehemalige SVP-Ständerat Hans Uhlmann und der ehemalige SVP-Nationalrat Otto Hess für die straflose Abtreibung eintraten. Wer nicht Mitglied eines Serviceclubs ist, hat es um einiges schwerer in der politischen Laufbahn. So dürfte die Nachfolge von CVP-Nationalrat Raggenbass kaum auf CVP-Grossrätin Aepli fallen, weil sie - obwohl sie sich für die straflose Abtreibung einsetzt - nicht Mitglied eines Clubs ist.

Die Beziehungen von CVP-Ständerat Philipp Stähelin zu den Serviceclubs dürfte erklären, warum er 1999 als erster "Katholik" in den Ständerat gewählt wurde. Aehnliches gilt für Bernhard Koch, Stadtammann von Bischofszell, der 2000 als Stähelin-Nachfolger den Sprung in die kantonale Regierung geschafft hat. Ohne die Serviceclubs gelangen im liberalen Thurgau nur wenige zu Amt und Würde. Das bewies auch CVP-Grossrat, Gemeindeammann von Weinfelden und Rotarier Dieter Meile, welcher für das Jahr 2000 das Präsidium des Grossen Rates übernommen hat. 2001 trat Meili vom Gemeindeammann-Amt zurück, und es nahm wieder ein Liberaler auf dem Ammann-Stuhl Platz. Der neben Meili kandidierende CSP-Mann Beat Curau, nicht Mitglied eines Serviceclubs, landete nach einer schmutzigen Hetzkampagne gegen ihn weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz.

Die Berufs- und Geschäftsfrauen scheinen zurzeit vor allem im Zonta Club Ostschweiz aus- und einzugehen. Dieser Club wurde im März 1998 gegründet und reiht sich an die 1100 Clubs in 61 Ländern mit 36’000 Mitgliedern. Zonta wurde 1919 in den USA gegründet und bedeutet in der Sprache der Sioux-Indianer soviel wie ehrlich und vertrauenswürdig. Mit dabei ist die bereits erwähnte, mittlerweile zurückgetretene SP-Regierungsrätin Vreni Schawalder, da gerade sie eine Person ist, die immer wieder um Vertrauen kämpfen musste. So fiel sie unter anderem auf durch besonders schlechte Wahlresultate im Grossen Rat. Sie führte eine ruinöse Bildungspolitik. Die Gewalt an den öffentlichen Schulen nahm unter ihrem Regime laufend zu und erreichte einen Höhepunkt in Amriswil mit einem Schüler, der sich vor Verzweiflung vor einen Zug warf. Mit einer Taskforce gegen die Gewalt wollte Schawalder die Gewalt bekämpfen - vergeblich.

Erklärungsbedarf?
So schliessen sich die Kreise von hüben und drüben und Fragen über Fragen bleiben zurück. Ist das oben geschilderte politische und religiöse Milieu ein Beispiel, um aufzuzeigen, welches die Gründe für den Niedergang von Sitte und Moral in der Öffentlichkeit, für den Zerfall des Religiösen sind? Zeigt ein solches Milieu exemplarisch auf, wie selbst der Klerus nicht mehr viel weiss um die wesentlichen Dinge in der Gesellschaft? Liefern die antichristlichen Spinnennetze in und um Amriswil herum eine Erklärung dafür, warum Amriswil im Fernsehen ungestraft mit Beispielen obszöner Beizenfasnacht vorgestellt werden konnte, warum in dieser Kleinstadt der Sexartikel-Handel boomt, Männerstriptease in der gleichen Festhütte durchgeführt wird, in welcher die Kirchen bei besonderen Anlässen ökumenische Gottesdienste abhalten? Liegt in all diesen Dingen der Grund dafür, dass der Sitz der KVP Schweiz in Amriswil liegen muss - um ein kleines Gegengewicht zu bilden? Wäre es denkbar, dass an diesem Ort die erste Ortspartei der KVP gegründet wird? Deus providebit!

 

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