24.12.2006, KVP Schweiz

Alle Jahre wieder: Familiengerechte Löhne, bitte!

Bundesrätin Doris Leuthard – wie ihr Vorgänger Joseph Deiss - hat das Liberalisierungsprogramm für die Bauern in der Dezembersession des Nationalrates vorerst nicht durchgebracht. Ihre Anstrengungen auf Entrechtung weiterer Teile des Bauernstandes werden sich indes fortsetzen. Unterstützung hat sie vom Detailhandel, der auf tiefere Preise pocht. Die KVP macht an dieser destruktiven Wirtschaftspolitik nicht mit.


Die Landwirtschaftspolitik treibt den Strukturwandel – zu Deutsch: das Bauernsterben - voran. Der Nationalrat hat das forsche Tempo von Bundesrätin Doris Leuthard zwar vorerst gestoppt, nicht aber begraben. Er will lediglich das Tempo drosseln und hofft auf die Dummheit der Bauern, indem das weitere Bauernsterben durch den natürlichen Tod der Bauern kaschiert wird, sodass zumindest einer möglichen Nachfolgegeneration der Glaube an lebensfähige Landwirtschaftsbetriebe genommen werden kann. Dabei können sich die Liberalisierer der Unterstützung durch den Detailhandel sicher sein. Der Detailhandel ist bekanntlich ein Hauptexponent des wirtschaftlichen Sklavenhandels mit familienunverträglichen Löhnen. Die Krämer – zusammengeschlossen in der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS) fordern immer vehementer tiefere Preise – zu Lasten der Landwirtschaft. Sollten sie Erfolg haben, werden sie über ein weiteres Argument verfügen, um die Löhne nicht auf ein familiengerechtes Niveau anzuheben.

Nicht familiengerechte Löhne liegen auch im Interesse manch anderer politischer Akteure neomarxistischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, weil so die Mütter in den Wirtschaftsprozess einbezogen werden können, nachdem ein Lohn nicht mehr genügt, um die Familie zu ernähren. Dies wiederum unterstützt die Forderung nach Kinderkrippen und Herausnahme der Kinder aus dem Verantwortungsbereich der Familie.


Gemäss eidgenössischer Steuerstatistik entfiel Ende 2003 die Hälfte des Reinvermögens auf knapp 4 Prozent der Steuerpflichtigen. Zwei Drittel des gesamten Nettovermögens der natürlichen Personen, nämlich 995.6 Milliarden Franken, befanden sich in den Händen von 163'500 Millionären.

Die "Schweizerzeit" rechtfertigt die hohen Managerlöhne damit, dass diese Leute auch Arbeitsplätze schaffen würden. Dies rechtfertigt indes die einseitige Vermögensakkumulation so wenig wie die Umweltzerstörung, die wesentlich auch von der Wirtschaft ausgeht.

"Ein wirklich von Wettbewerb bestimmter Markt ist ein wirkungsvolles Mittel, um wichtige Ziele der Gerechtigkeit zu erreichen: die übermässigen Gewinne einzelner Unternehmen einzudämmen (…); eine schonendere Nutzung der Ressourcen zu verwirklichen." (Kompendium der Soziallehre, Seite 255).

Zurschaustellung von Reichtum ist "ebenso empörend wie skandalös" (Kompendium der Soziallehre, Seite 272). Die letzte Parade der 300 Reichsten erfolgte – aller Jahre wieder – im Wirtschaftsmagazin "Bilanz" Nr. 21/2006.



Diese lebenszerstörenden Zusammenhänge kann man mit angemessenen Preisen und Löhnen brechen. Die KVP macht daher nicht bei den Attacken auf die sogenannte Hochpreisinsel Schweiz nicht mit. Sie fordert Staat und Politik vielmehr und einmal mehr auf, für familiengerechte Löhne zu sorgen, um dem Preis- und Lohnzerfall und der damit einhergehenden Verarmung und Entrechtung breiter Bevölkerungsschichten entschieden entgegen zu treten.

 

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