20.01.2007, KVP Schweiz

Prosit Neujahr!

Die Schweizer Bischöfe problematisieren und beginnen, das Problem zu erkennen. Vor allem Bischof Koch profiliert sich als Vordenker. Währenddessen benutzt die Politik die Kirche als Spielball. Ist die Kirche überflüssig? Es ist Zeit zu sagen: "Jetzt reicht es."


Harmonisch tönte es übers Jahresende am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Die Kirche Schweiz demgegenüber bedauerte den immer tieferen Grundwasserspiegel des Glaubens (Bischof Kurt Koch, gemäss Kipa-Interview vom 08.01.2007). Die Bischöfe Amédée Grab und Kurt Koch waren sich einig, dass die Gesellschaft ganz gut auch ohne die Kirche lebe. Wenn dem so wäre, könnte man die Kirche abschaffen. Das war wohl nicht die Meinung der genannten Würdenträger.

Eine Partei soll sich primär nicht zu kircheninternen Sachverhalten äussern. Das ist nicht ihre Aufgabe. Dort, wo sich kirchliche Exponenten indes politisch relevant äussern, soll und darf eine Partei dazu Stellung nehmen. Und die Bischöfe ihrerseits dürfen und sollen politisieren, mindestens indirekt und mit Umsicht, weil der Glaube „Konsequenzen“ haben soll, wie Bischof Kurt Koch meint.

Viele in unserer Gesellschaft leben durchaus gut. Die Schweiz gehört zu den wettbewerbsfähigsten Nationen. Es kann indes nicht der Sinn sein, sich zu Tode zu arbeiten, zu amüsieren und zu lieben, bis es nicht mehr geht, wie Bischof Kurt Koch sich pointiert ausdrückte.

Nicht zu vergessen ist nämlich, dass die Arbeitslosigkeit bei vielen zu oberst auf dem Sorgenbarometer steht und die extreme Armut nebst dem extremen Reichtum unübersehbar geworden ist. Die Sozialkosten sind unvermindert hoch. Umweltzerstörung, Zerstörung von Leben, Familie und Lebenssinn gehen bislang unvermindert weiter. Darauf hat eine wahrhaftige Politik Antworten zu geben.

Feministinnen und Wirtschaftsbosse ziehen am gleichen Strick
CVP-Bundesrätin Doris Leuthard will ihren Beamtinnen und Beamten mehr Geld für Kinderkrippen bereitstellen. Nebst den Bedürfnissen der grossen Wirtschaft will sie offenbar auch jene der Kleinsten befriedigen. Damit fährt sie nach ihrer Attacke gegen die Bauern eine Attacke gegen die Familie – von den linken Medien und Wirtschaftsverbänden beklatscht. Die Familie ist nämlich eine der letzten natürlichen Ressourcen, die man noch ausbeuten kann. Faktisch fördert die Magistratin die Einelternfamilien, die Familien mit ein oder zwei Kindern und „Konzepte, die sich als ungenügend erwiesen haben“ (Christa Meves). Denn die Kleinfamilie wird das Überleben und die Wirtschaftskraft der Nation langfristig nicht sicherstellen können.

Die SVP spricht in ihrer Wahlplattform ganz am Schluss auf einer Seite noch rasch von den „Familienformen“ und zählt dazu offenbar auch die verschiedenen Karikaturen der Familie. „Jedes Paar ist frei, seine Familienform zu wählen“, „Mann und Frau sind gleichwertig und gleichberechtigte Partner“, meint die SVP. Ihre Sätze stammen irgendwoher, sicher nicht aus der katholischen Soziallehre.

Gemäss katholischer Lehre haben Mann und Frau die gleiche Würde, sind gleichwertig, aber unterschiedlich und erfüllen unterschiedliche, unverzichtbare und nicht delegierbare Aufgaben, die keineswegs frei gewählt werden können. Dank ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen sich Mann und Frau. Die Pflichten der Familienmitglieder werden nicht vertraglich festgelegt, sondern ergeben sich aus dem Wesen der Familie (Kompendium der Soziallehre, Nr. 110, 147, 212, 224, 251).

Drei plus
Politisch entscheidend sind die Drei- und Mehrkinderfamilien, die allein die völlig ungenügende Kinderquote von gegenwärtig 1.4 pro Frau auf die geforderten minimalen 2.1 bringen können. Die Gesellschaft müsste hier über die Bücher, wie Bischof Koch im Kipa-Interview meint. Warum nur „müsste“? Sie muss!

Das vergangene Jahr hat unter Führung des CVP-Wirtschaftsministers Joseph Deiss dem Schweizer Volk einmal mehr einen Einkommensverlust beschert, diesmal von 0.3 Prozent, gegenüber von 0.2 Prozent im Jahre 2005.

Was ist gute Erziehung?
Wer zurzeit gute Lehre über die Erziehung und das Verhältnis von Mann und Frau hören will, dem seien die exzellenten Ausführungen von Schwester Michaela Metz in den jüngsten Mitteilungsblättern der Priesterbruderschaft St. Pius X. empfohlen.

In christlich geführten Familien kann der Glaube auch heute mit Erfolg praktiziert werden. Es ist aber nicht ratsam, die Kinder in den Rachen der atheistischen Kinderkrippen zu werfen. Wer so handelt, darf sich dann jedenfalls nicht beklagen, dass die Vermittlung des Glaubens an die neue Generation nicht mehr gelinge, denn in den staatlichen Kinderkrippen wird dieser Glaube nicht gelebt.

Was sich die öffentlichen Schulen an Pornoskandalen leisten, würde bei einer privaten Schule sofort zu deren Schliessung führen. Monopolbetriebe beanspruchen aber offenbar eine eigene Ethik – ein Spiegelbild der Gesellschaft, wie der Einsiedler Abt Martin Werlen zu Recht bemerkt hat.

Der Abt von Einsiedeln will ein Elitegymnasium aufbauen. Eine „von den benediktinischen Werten geprägte“ Tagesschule mit Internat soll es sein. Gleichwohl soll das Internat für Mädchen und Knaben offen stehen (Koedukation). Es stellt sich die Frage, wo die benediktinischen Vorbilder für ein solches Erziehungsmodell sind.

Peinliche Pfarreiprogramme
„Das Programm vieler Pfarreien und kirchlicher Gruppierungen ist eine peinliche Angelegenheit für die Kirche in unserem Land“, kritisiert Abt Martin Werlen. Man kann ihm folgen.

Die platten, unreflektierten politischen Botschaften, die in Gottesdiensten oftmals präsentiert werden, sind wirklich kaum mehr zu überbieten. Wenn es das „Schöne des Glaubens“ gibt, wie Bischof Kurt Koch im Kipa-Interview meint, sollen diese Schönheiten dargestellt werden.

Das gilt auch für eine Politik, die sich auf die katholische Soziallehre abstützt, denn diese ist mit dem katholischen Glauben eng verbunden. Politik gemäss der katholischen Soziallehre gibt Sicherheit, inneren Frieden und verlässliche, klare Leitplanken für das Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft.

Kirche als Spielball der Politik
Zurzeit benutzt die Politik die Kirche aber eher als Spielball denn als ernstzunehmenden Partner. Die SVP zitiert in ihrer Wahlplattform die Enzyklika „Deus caritas est“, um der Kirche einen politischen Maulkorb umzuhängen, weil die Partei „jede einseitige, ideologisch geprägte politische Stellungnahme von Kirchenfunktionären“ zutiefst bedauert. Gemeint ist die Stellungnahme der Bischöfe zur Asyl- und Ausländergesetzgebung. Gerade in diesem Bereich hat die katholische Kirche aber nicht so gehandelt, wie die SVP ihr vorwirft, kann sie sich doch für ihre Politik im Ausländerbereich durchaus auf Stellungnahmen der Päpste berufen – die freilich nicht immer unproblematisch sind. Schon gar nicht hat sie den politischen Kampf an sich gerissen, wie die SVP behauptet.

Dass die SVP mit ihrem Vorwurf Joseph Ratzinger und die gesamte katholische Soziallehre falsch interpretiert, stört sie offenbar nicht. Mit einem Studium der katholischen Soziallehre könnte sie ihrem Bedauern rasch ein Ende setzen. Der Heilige Stuhl ist ein Staat, betreibt daher Politik, hat das gesamte Mittelalter massgebend mitgestaltet, die guten Grundlagen für die Neuzeit und die Postmoderne mitgeschaffen und insbesondere mitgeholfen, das System des kommunistischen Ostblocks mindestens vordergründig zum Einsturz zu bringen. Subkutan wirkt der Kommunismus freilich in Ost und West weiter, sodass der Kampf noch längst nicht als gewonnen gelten kann.

„Sozial ist nicht, wer Gelder von der einen Tasche in die andere umleitet“, meint die SVP. Auch das ist falsch. Umverteilung gehört zu den Aufgaben des Sozialstaates, bildet festen Bestandteil der katholischen Soziallehre (Kompendium der Soziallehre, Nr. 303, 353, 355) und trägt zur Wohlfahrt bei.

Am Islam scheiden sich die Geister
Viele haben gehofft, dass die SVP einen tauglichen Plan vorlegt, um die Islamisierung zu stoppen. Die Wahlplattform enttäuscht in diesem Punkt. Die Partei hält sich bei den Minaretten auf, wie wenn es die Religionsfreiheit, die sie sonst vertritt, in Sachen Kirchenbau nicht gäbe.

Ausserdem: wenn die SVP nach christlich-abendländischem Muster politisieren will, wie sie behauptet, müsste sie den politisch-religiösen Machtanspruch der Kirche anerkennen, gehört dieser doch wesentlich zur christlich-abendländischen Kultur. Indem die SVP sich aber „jeglichem religiös-politischen Machtanspruch“ widersetzt, verabschiedet sie sich geradezu vom christlich-abendländischen Denken.

Bischof Koch beklagt das schwierige Verhältnis mit den Moslems, weil die Christen dem Islam nichts entgegenzusetzen hätten. Wirklich? Der Bischof wäre doch der erste, der ihnen etwas entgegensetzen müsste, und er hätte ihnen auch etwas entgegenzusetzen.

Die SVP hat in ihrer Wahlplattform eine obligatorische, formelle Loyalitätserklärung jedes Einbürgerungswilligen gefordert und damit – leider in abgeschwächter Form – einen Punkt aus dem Katalog der KVP übernommen.

Das Problem, dass die Moslems, um ihren Glauben zu verbreiten, den Gegner täuschen und lügen dürfen (takiya), ist damit nicht gelöst. Mindestens müsste man eine eigentliche Bekehrung mit Abschwörung auf die gefährlichen Koranstellen verlangen, womit auch die Grenzen der Religionsfreiheit präzisiert würden.

Bischof Grab hat den Eindruck, dass eine gewisse Abneigung gegenüber dem Islam auf Angst beruhe. Dies aber sei völlig absurd. Wirklich? Es gibt praktisch kein islamisches Land, das, gestützt auf den Koran, den Christen ein nachhaltiges Lebensrecht gewährt.

Bischof Koch ist da schon realistischer geworden: „Wenn mit einem Minarett eine politische Botschaft verknüpft wird, dann wird es ein Problem“, sagte Bischof Koch. Und das Problem ist damit in jedem Fall da, denn: „Im Islam ist eine Trennung von Politik und Religion kaum denkbar.“

Das Verhältnis zu den Diktaturen
Wenn Bischof Koch die grosszügige Ausländer- und Asylpolitik der Kirche damit legitimiert, dass er eines Tages nicht auf der gleichen Seite stehen möchte wie jene, welche in der Zeit des Nationalsozialismus geschwiegen hätten, strapaziert er wohl die Geschichte und den Realitätssinn des Durchschnittbürgers und steht zu sehr unter dem Eindruck der ideologisch geführten Zweitweltkriegs-Debatte der Schweiz.

Recht ist ihm gleichwohl insofern zu geben, als im Bereich der Asylpolitik eine besondere Sensibilität am Platz ist, was die KVP mit ihrer Stimmfreigabe zum Asylgesetz zum Ausdruck gebracht hat. Auch soll man sich weiterhin mit dem Phänomen der Diktaturen jeglicher Couleur befassen; denn auch da spielen die Beziehungen zum asiatischen Raum eine Rolle.

Von den Nationalsozialisten ist aufgrund der Forschungen von Victor und Victoria Trimondi bekannt, dass sie mit den asiatischen Göttern und Religionsgründern manche Seelenverwandtschaft gepflegt haben.

Wenn wundert’s, dass die Nationalsozialisten unter diesen Umständen auch die Kirche massiv verfolgt haben, wie Bischof Koch ebenfalls zu Recht hervorhob. Dazu liegen mittlerweile einschlägige Forschungsergebnisse vor. Papst Pius XII. galt für das 3. Reich als recht eigentlich subversiv

Dass gleichwohl Bischöfe und Laien dieser Ideologie nachgelaufen sind, ist freilich ebenso wahr wie die Tatsache, dass viele Christen sich auch heute von den rechten, linken und östlichen Ideologien betören lassen.

Wahr ist ferner, dass die Entwicklung diktatorischer Strukturen ihre historischen Wurzeln in Europa selbst haben. Den Terror als angeblicher Ausfluss der Tugend hat die Aufklärung eingeführt. Die angeblich minderwertigen Menschenarten wurden in der Aufklärung entdeckt und mit dem „écrasez l’infâme“ von Voltaire in der katholischen Kirche sozusagen vor der Türe gefunden. Hubert Hecker hält daher mit gutem Grund fest, der Menschheit und der Kirche wären manche Irrwege erspart geblieben, hätte man auf Papst Pius IX. und seine Warnung im Syllabus 1864 vor dem sogenannten Liberalismus und chauvinistischen Nationalismus eines Jean-Jacques Rousseau gehört.

Alles und jedes ist aber weder in Europa noch im Islam falsch. In gewissen Bereichen hat man mit dem Protestantismus mehr Mühe als mit dem Islam. Bischof Koch nennt das Recht auf Leben und die „Konsequenzen des Glaubens“ auf die bioethischen Herausforderungen (Kipa-Interview). Mit Bischof Koch zu sagen, der Dissens reiche „bis in die Kirchen hinein“, scheint zumindest missverständlich. In der katholischen Kirche besteht kein Dissens, und eine Zusammenarbeit mit dem Islam ist hier durchaus prüfenswert.

Bischof Koch beginnt, die Menschenrechte zu hinterfragen
Erfreulich ist, dass Bischof Koch – endlich, möchte man sagen – seine grossen Zweifel äussert, „ob das Fundament der Menschenrechte noch trägt“ (Kipa-Interview).

Die staatlichen Menschenrechte haben nämlich noch nie das Fundament gehabt, welches die katholische Soziallehre als unverzichtbare Grundlage des Gemeinwohls betrachtet: nämlich ihre transzendente Verankerung. Deshalb wurden im Namen der Menschenrechte Verbrechen begangen, die in diesem Ausmass so nie vorgekommen sind, bevor man überhaupt anfing, von Menschenrechten zu sprechen.

Die kirchliche Konzeption der Menschenrechte ist nicht die gleiche wie die staatliche.

Dialog kommt ohne Wahrheit und Tatkraft nicht aus
Resignation ist die Hauptsünde des Christen. Beten und Denken ist gefordert, um einen neuen Grundkonsens zu erhalten, hält Bischof Koch fest. Dem kann man nur zustimmen. Beten und Arbeiten sind auch die Antriebskräfte der KVP.

Viele gläubige Christen sind demgegenüber zu verbohrten Pietisten geworden, welche die Religion nur noch im Privaten pflegen. Einer der schwersten Irrtümer unsere Zeit ist jedoch die Kluft zwischen dem christlichen Glauben und dem alltäglichen Leben (Kompendium der Soziallehre, Nr. 554 ff.).

Fassen wir trotzdem und gerade deswegen neuen Mut zu katholischen Landschaften, wie es Papst Benedikt nennt. Dass man mit einer katholisch-wertbeständigen und sozialen Politik durchaus Erfolg haben kann, hat beispielsweise die KVP Thurgau deutlich gezeigt. Gemäss katholischer Soziallehre gibt es – entgegen der immer wieder gehörten Behauptung - keine unumkehrbaren Entwicklungen.

Geschichtsklitterungen werden aufgedeckt
Zu Resignation besteht auch deshalb kein Anlass, weil die angeblichen Verfehlungen der Kirche sich zunehmend relativieren und sich als Geschichtsklitterung aufklärerischer Neojakobiner entpuppen. In der Menschheitsgeschichte hat nie eine „Kultur“ mehr Todesopfer gefordert als die „aufgeklärte“ mit ihrer Überzeichnung der Nation, des Volkswillens und der missverstandenen Menschenrechte – und das bis heute. Das Mittelalter braucht einen Vergleich mit der sogenannten aufgeklärten Geschichte wirklich nicht zu scheuen.

Der sogenannten aufgeklärten Linken und Rechten darf man die Maske vom Gesicht nehmen. Sie beide haben versucht und versuchen immer noch, für ihre Verbrechen die katholische Kirche und deren Geschichte verantwortlich zu machen. Gelungen ist ihnen das freilich nicht, wobei man die Fehler der Söhne der Kirche – unter ihnen vor allem die Mitläufer – nicht leugnen muss.

Folgende Untersuchungen sind in diesem Zusammenhang lesenswert:

- Die Unterscheidung zwischen katholischer Mission und protestantischem Rassismus
- Vittorio Messori mit dem Lob der heiligen Inquisition
- Rainer Decker zum Thema der Päpste und der Hexen
- der Münsteraner Kirchenhistoriker und Leibniz-Preisträger Hubert Wolf, gemäss dem es nicht zu den Hexenverfolgungen gekommen wäre, wenn die Regeln der „heiligen römischen Inquisition“ beachtet worden wären
-Konrad Löw mit seinen Untersuchungen zur Stellung der Juden und Christen im Nationalsozialismus
-Hans Graf von Huyn und seine scharfsinnige Analyse der aufklärerischen Politik ohne Gott
- Robert Spencer mit seinen Wahrheiten über die Kreuzzüge
- Thomas E. Woods jr., Sternstunden statt dunkles Mittelalter. Die Katholische Kirche und der Aufbau der abendländischen Zivilisation. Woods weist eindrücklich nach, dass vieles – gerade im Bereich der Menschenrechte – , was wir heute als Errungenschaft bezeichnen, im Mittelalter von den katholischen Mönchen und Gelehrten grundgelegt wurde.
- Walter Brandmüller mit seiner Warnung, dass zur Beurteilung des Mittelalters die Masstäbe und Kategorien unserer Zeit nur mit grosser Behutsamkeit ins Spiel gebracht werden dürfen

Sie alle stehen als Garanten für eine klare Warnung an Staat und Gesellschaft: „Es ist Zeit zu sagen: Jetzt reicht es“ mit der Verleumdung und Beschimpfung der katholischen Kirche und der Politik gemäss der katholischen Soziallehre.

Die „Anti-Affekte“
In diesem Licht ist erklärbar, warum katholische Politik Gebilden wie der EU und der UNO sehr kritisch gegenübersteht. Bischof Kurt Koch meint im Kipa-Interview, der „Anti-Europa-Affekt und der „Anti-Weltkirchenaffekt“ hätten dieselbe Wurzel. Was diese Wurzel ist, sagt er nicht.

Es ist konstante Lehre der Kirche seit dem Mittelalter, dass das Völkerrecht die staatenübergreifenden Fragen zu regeln hat und Menschenrechte anerkennen muss. Damit die Souveränität der Völker erhalten bleiben kann, braucht es eine Weltordnung. Die heutigen internationalen Ordnungen sind indes so angelegt, dass aus ihnen ein Super-Weltstaat entstehen kann, der zum Freiheitsproblem wird.

Gegen einen Welt-Superstaat hat sich die katholische Soziallehre in konstanter Lehre ausgesprochen (Kompendium der Soziallehre, Nr. 441), weil er mit einer Diktatur identisch ist.

Ausserdem erscheint der ethische Gehalt der heutigen internationalen Organisationen äusserst fragwürdig, wenn man die Politik bezüglich Abtreibung, Embryonenforschung, Sexualität, Familien- und Wirtschaftsliberalismus miteinbezieht.

Währenddem die Kirche eine zukunftsfähige, integre internationale Organisation ist, die durchaus ihre problematischen Seiten auch hat, müssen die derzeitigen staatlichen internationalen Organisationen als im Kern unmoralisch qualifiziert werden, die ab und zu freilich auch durchaus positive Dinge produzieren.

Die offizielle Politik der Schweiz fördert diese Entwicklung mehr als sie diese hemmt oder ändert. Aus katholischer Warte heraus ist es daher durchaus vertretbar, dafür zu sogen, dass die Schweiz diese Politik nicht unterstützt oder den entsprechenden Organisationen nicht beitritt.

Durch den Nichtbeitritt kann ein Land ebenso viel wenn nicht mehr Einfluss auf diese Organisationen und ihre Entwicklung nehmen als durch Beitritt und das Gemeinwohl des eigenen Volkes besser wahren.

Ein einigermassen christliches Europa könnte man alleweil befürworten. Die modernen Regierungen sind indes gesellschaftspolitisch und wirtschaftspolitisch in den Grundzügen nach wie vor antichristlich. Den gesellschaftspolitischen Kurs bestimmen die Linksparteien, den wirtschaftspolitischen Kurs die Rechtsparteien.

Eine katholische Partei, welche die Macht hätte, beide Teile zu zähmen und den richtigen Kurs zu bestimmen, gibt es seit dem moralischen Zusammenbruch der CVP zurzeit leider nicht mehr. Und ein namhaftes Bevölkerungssegment, das eine katholische Partei unterstützt, fehlt mittlerweile. Die KVP ist der Beweis dafür. Was nicht ist, kann aber wieder werden.

 

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