23.12.2007, Lukas Brühwiler-Frésey, Präsident KVP Schweiz

Weihnachten – du liebe Zeit!

Wie den Medien zu entnehmen war, ist der frühere englische Premierminister Tony Blair in die katholische Kirche aufgenommen worden. Der französische Ministerpräsident Nicolas Sarkozy wurde anlässlich seines Besuches im Vatikan zum Ehrenkanonikus der Lateranbasilika ernannt. Die Vorgänge erstaunen. Suchen die Söhne der Kirche eine Politik, für die sich die Kirche 500 Jahre später wieder entschuldigen kann?


Der geschiedene Nicolas Sarkozy hält sich mittlerweile seine zweite Konkubine. Beide Staatspräsidenten traten für die Abtreibung und die freie Ehescheidung ein. Währenddem gewisse Bischöfe, Kardinäle und andere verlangen, dass Abtreibungsbefürworter nicht zum Sakrament der heiligen Eucharistie zugelassen werden, erhalten Befürworter der Abtreibungs- und Scheidungspolitik von anderen Repräsentanten der Kirche hohe Ehren und können gar ohne öffentliche Reue für ihre Taten Mitglied der Kirche werden.

Die Kirche verliert damit an Glaubwürdigkeit, dies umso mehr, als Papst Johannes Paul II. den Irakkrieg und das Engagement daran – also beispielsweise das Engagement der Engländer – scharf verurteilt hat. Die Kirche bringt zurzeit nicht genügend Kraft auf, „katholische“ Politiker, die ihren Lehren diametral widersprechen, zu disziplinieren. So kommt es, dass seit Jahren Heerscharen von politischen Häretikerinnen und Häretikern unter dem Label „katholisch“ durch die Lande ziehen. Und jetzt noch diese Weihnachtsgeschenke, welche das gewöhnliche Volk nicht versteht!

Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Friedens. Wie könnte eine Politik der Liebe und des Friedens aussehen?

- Sie brächte zweifellos eine Initiative auf Verschärfung des Scheidungsrechts. „Ein grosser Teil der Scheidungen müsste gar nicht sein“, stellte jüngst der Psychotherapeut Mathias Jung in seinem, zusammen mit Julia Onken, im Kösel-Verlag herausgegebenen Buch „Liebes-Pingpong“ fest. Das heisst doch nichts anderes, als dass die lebenslängliche Ehe bei genügender Sozialkompetenz machbar ist und das Scheidungsverbot der Kirche eine vernünftige Regel darstellt, die verhindert, dass man sich Freiheiten weitgehend auf Kosten anderer nehmen kann.

- Sie sollte eine Initiative auf Verbot der Embryonen verbrauchenden Stammzellenforschung umfassen.

- Sie müsste von einer Initiative auf Abschaffung der Homo-Ehe begleitet sein.

- Sie beinhaltete eine Initiative auf Schutz des Sonntags.

- Sie enthielte eine Initiative auf Verbot der Abtreibung und aktiver Sterbehilfe, weil Abtreibung der grösste Zerstörer des Friedens ist.

- Sie präsentierte ein Programm gegen die globale Verarmung der Familie – die Werkstatt der Liebe.

- Sie unterstützte jegliche Initiativen für eine echte Freiheit der Wahl von Privatschulen als Bildungsanstalten der Liebe – jenseits von Sozialismus und Kapitalismus.

- Sie machte einen Vorschlag zur Kodifizierung der Grundrechte der Völker, damit die Kultur der Liebe und der kulturellen Identität nicht gegen die Freiheit liebloser Religionen eingetauscht werden muss, Weihnachten in Europa weiterhin öffentlich feier- und lebbar bleibt.

Vielleicht bringt uns erst ein Politiker, der aus der Kirche austritt, diese heilsnotwendigen politischen Initiativen der Liebe und des Friedens.

 

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